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Tarodunum Rundweg Kirchzarten

Der Rundweg

Goldmünze hergestellt in TarodunumDer Tarodunum-Rundweg beginnt in Kirchzarten an der Tourist-Info und führt Sie über knapp 10 km durch ebenes Gelände; die Wege sind kinderwagengeeignet.

Zur Geschichte des Tarodunums

-Aus dem Kontakt mit den Hochkulturen des Mittelmeerraumes heraus entstehen im zweiten Jahrhundert vor Christi Geburt in Mitteleuropa große offene und befestigte Siedlungen, für die Caesar im Zusammenhang mit seinen Feldzügen in Gallien den lateinischen Namen für Stadt - Oppidum - verwendet.
Es sind offenbar Zentralorte keltischer Stämme oder Stammesgruppen, in denen sich neben Handel und Gewerbe auch die politische Macht konzentrierte. In diesen residierte der keltische Adel und hier befanden sich zentrale Heiligtümer.

Schon seit 1815 wird ein auf den Gemarkungen Kirchzarten und Buchenbach gelegenes, fast 200 ha Innenfläche aufweisendes Oppidum mit dem von dem antiken Geographen Ptolemaios (2. Jahrhundert n. Chr. Geb.) überlieferten Namen "Tarodunum" verbunden. Dieser antike Name hat sich in dem Ortsnamen Zarten (erstmals 765 n. Chr. Geb. als "Zarduna" in einer Urkunde in St.Gallen erwähnt) erhalten.

Diese Anlage ist die einzige ihrer Zeit in Baden-Württemberg, von der der ursprüngliche Name bekannt ist. Die Befestigungsanlage nimmt ein lang gezogenes Dreieck ein, das von den Quellflüssen der Dreisam aus der Niederterasse mit bis zu 15 m hohen Böschungen herausmodelliert worden ist.

Die Befestigung

In der heute nur noch als Wall erkennbaren Befestigung des Oppidum Tarodunum, die sich über gut 6 km erstreckt, befinden sich die Überreste einer Mauer, die in einer Technik errichtet wurde, die von Caesar als "murus gallicus" (gallische Mauer) überliefert ist. Eine mehrere Meter hohe Mauerfront aus großen unbehauenen polygonalen Steinen, die aus den Schottern der Niederterrasse stammen, wurde über ein in diese verzapftes Holzrahmenwerk gleicher Höhe gehalten.

Die Eckpunkte dieses Holzurahmenwerkes von 2,70 m Seitenlänge waren mit vierkantigen Eisennägeln von 22 cm Länge fixiert. Das Kastenwerk selbst wurde mit einer rampenartigen Dammschüttung von 20m Tiefe stabilisiert. Auf der Mauer selbst befand sich ursprünglich sicher ein umlaufender hölzerner Wehrgang, von dem isch allerdings keinerlei Spuren mehr erhalten haben. Die Befestigung sitzt an den Längsseiten unmittelbar auf den Terrassenkanten und nutzt die bis zu 15 m hohen Böschungen als natürlichen Graben.

Der Heidengraben

Nach Südosten in Richtung Schwarzwald wird die Niederterrasse, auf der die Befestigung liegt, durch eine ursprünglich mehrere Meter hohe Mauer mit einem vorgelagerten breiten Graben abgeschnitten. Die in der Mitte stumpf abgewinkelte Mauer trägt im Volksmund den Namen "Heidengraben". Sie ist heute nur noch als leichter Wall mit vorgelagerter Einsenkung zu erkennen, da die jahrhundertelange landwirtschaftliche Nutzung die Befestigung stark eingeebnet hat. 1901 wurden an der Knickstelle in der Mitte des Walles Ausgrabungen durchgeführt, die an dieser Stelle einen Toranlage dieser großen Befestigung nachgewiesen haben. Der breite Graben ist hier auf mehrere Meter unterbrochen, die Mauer zieht zu beiden Seiten der hier nachgewiesenen drei Meter breiten Straße rechtwinklig nach innen und bildet so einen leichter zu verteidigende Torgasse an deren Ende sich erst das eigentliche Tor befand. Weitere Toranlagen sind nicht mehr bekannt, diese dürften modernen Eingriffen in die Wallanlage zum Opfer gefallen sein. Die durch die Toranlage führende Straße scheint auch im frühen Mittelalter noch genutzt worden zu sein. Daraufhin weisen Fundstücke hin, die zu mindestens zwei Grabausstattungen des7. Jahrhunderts n. Chr. gehören. Es dürfte sich hier um Teile eines kleinen Friedhofes handeln, der von einem Einzelhof aus an der vorbeiführenden Straße angelegt worden ist. Dieser Hof kann heute verschwunden sein, es kann sich aber auch um die frühgeschichtlichen Vorgänger des "Jockelhofes" oder des "Rainhofes" handeln, die beide in entsprechender Entfernung von der Fundstelle liegen.

Die Siedlung Tarodunum

-Innerhalb der Befestigung konnten trotz intensiver Suche keine Reste der hier zu fordernden großen Siedlung gefunden werden, zu deren Schutz diese mächtige Befestigungsanlage gebaut wurde. Erst 1987 konnte die zugehörige Siedlung 1 km westlich außerhalb der Befestigung südwestlich von Zarten entdeckt werden (Gewann Rotacker).

Durch oberflächig aufgesammelte Keramikscheiben, Bruchstücke importierter römischer Weinamphoren, zahlreiche keltische Münzen und weitere keltische Fundstücke lässt sich hier das 16 Hektar große Areal einer spätkeltischen Großsiedlung nachweisen, die etwa von 150 v. Chr. Geb. bis 80 v. Chr. Geb. bestanden hat. Dem Fundmaterial nach muss es sich um eine bedeutende Siedlung gehandelt haben, die von Handel und Handwerk geprägt war. So lässt sich nachweisen, dass keltische Goldmünzen in dieser Siedlung geprägt wurden. Als wirtschaftlicher Hintergrund dieser Siedlung ist durchaus an die Nutzung der Erzreviere am Schauinsland zu denken.

Wenig östlich der Westspitze konnten Reste eines römischen Gebäudes nachgewiesen werden. Der Zusammenfluss der beiden Quellbäche der Dreisam, Wagensteinbach und Höllbach (Rotbach) , führte bis in das 16. Jahrhundert n. Chr. den Namen "Koblitz", was eindeutig auf das lateinische Confluentes = Zusammenfließende zurückzuführen ist, das uns auch in dem Namen Koblenz begegnet. Vielleicht hat sich hier der Name der römischen Ansiedlung überliefert, in der wir möglicherweise eine Straßenstation an der den Schwarzwald querenden Straße sehen dürfte.