Dreisam-Talk mit Ursel Lorenz

Von Dreisamtäler zu Dreisamtäler. Das ist die Grundidee vom
Dreisam-Talk. Tourismus-Leiter Julian Semet trit interessante Persönlichkeiten, die im Dreisamtal zu Hause sind. Dieses Mal mit: Ursel Lorenz

Geschäftsführer Julian Semet im Gespräch mit Ursel Lorenz

Ursel Lorenz, geboren im Dreisamtal und seit Jahrzehnten zuhause in Hofsgrund, führt mit „NaTour pur“ Gäste durch die Natur- und Kulturlandschaft rund um den Schauinsland. Sie ist Autorin der Bücher „Wetterbuchen am Schauinsland“ und „Meine Wildkräuter und Blumen am Schauinsland“ – und eine echte Botschafterin für die Schönheiten der Region Dreisamtal. Ihr Lebensmotto „Der Weg ist das Ziel“ prägt dabei jede ihrer Touren und Begegnungen.

Du bist ja Dreisamtälerin durch und durch, in der Region aufgewachsen und lebst heute in Hofsgrund. Was bedeutet dir das Dreisamtal und speziell der Schauinsland für dich?

Meine Heimat bedeutet mir einfach sehr viel. Meine Kindheit auf den Bauernhöfen meiner Eltern, zwischen Blumenwiesen, Obstbäumen und Kräutergärten hat meinen Weg geprägt – ich war das glücklichste Kind weit und breit. Mit meiner großen Liebe bin ich schließlich auf dem Schauinsland
angekommen, wo wir unsere sechs Kinder großgezogen und mit unserem Haus mit großem Garten meinen Jugendtraum wahr gemacht haben.

Du bist nun schon seit über 15 Jahren als Naturführerin “NaTour pur”unterwegs. Wie bist du überhaupt dazu gekommen, Menschen durch die Landschaft zu führen?

Ich war schon immer gern draußen – mit meinem Mann und unseren Kindern waren wir ständig unterwegs, beim Wandern oder Mountainbiken. Irgendwann fragte mich Martin Hegar vom Hotel Halde, ob ich mir vorstellen könnte, dort Gästeführungen zu übernehmen. Er meinte, als echte
Dreisamtälerin und Naturmensch sei ich genau die Richtige – und so fing alles an. Als die Kinder größer wurden, habe ich mich dann mit „NaTour pur“ selbstständig gemacht – und es war die beste Entscheidung überhaupt.

Bei deinen Führungen geht es nicht nur ums Wandern, sondern auch ums aktive ahrnehmen der Natur. Was ist dir dabei besonders wichtig?

Mir ist wichtig, dass sich alle wohlfühlen – egal ob jung oder alt, sportlich oder gemütlich. Ich sag immer, bei uns oben ab 1.000 Metern wird sowieso geduzt, das lockert gleich die Stimmung. Wir nehmen uns Zeit für Pausen, sitzen mal in der Wiese, genießen die Aussicht oder machen ein kleines Picknick mit Vespersäckchen, die ich auf Wunsch vorbereite. Ich achte darauf, dass niemand überfordert ist – der letzte bestimmt immer das Tempo. Und wenn jemand ein bisschen zurückfällt, laufe ich einfach ein Stück mit. So kann jeder in seinem Rhythmus unterwegs sein und die Natur wirklich genießen. 

Gibt es etwas, das du deinen Gästen immer wieder besonders gern erzählst?

Ich erzähle gern vom Winter, wie er früher war – mit meterhohem Schnee, Stürmen und wochenlangem Frost. Ältere Leute aus dem Dorf haben mir viele Geschichten davon erzählt, etwa wie die Hofdächer so zugeschneit waren, dass man mit den Skiern einfach drübergesprungen ist. Oder auch die tragische Geschichte vom Engländerdenkmal. Solche Erinnerungen haben die Hofsgrunder geprägt und ich gebe sie gerne weiter. Im Sommer geht’s dann eher um Kräuter, Blumen und die besondere Vegetation rund um den Schauinsland. Eines meiner Lieblingsthemen ist die Wetterbuche – ihre Geschichte, ihre Form, und die kleinen Erzählungen drumherum, etwa von Hirtenkindern, die an den Bäumen Unterschlupf gefunden haben. Und natürlich streifen wir auch den Bergbau, der gehört einfach zur Geschichte hier dazu. 

Du hast vor nicht allzu langer Zeit ein lesenswertes Buch über Wildkräuter und Blumen am Schauinslang geschrieben, ein weiteres über die Wetterbuchen. Was hat dich dazu inspiriert?

Nach meinem Buch über die Wetterbuchen hatte ich den Wunsch, auch mein Kräuterwissen festzuhalten – all das, was ich seit Jahren auf meinen Führungen erzähle. Das Buch verbindet meine Leidenschaft für Pflanzen, Fotografie und Gestaltung. Es enthält Rezepte, Geschichten, Gedichte und
Tipps, aber auch Erinnerungen aus meiner Kindheit – an Wiesen, Kräutergärten und an meine Großtante Luise, eine Rotkreuz-Schwester und Kräuterfrau im Krieg.

Folgen noch weitere Bücher? Oder hast du andere Ideen, die du noch gerne umsetzen möchtest? 

Ja, tatsächlich – Ich möchte gern ein Buch über meine Erlebnisse mit den Gästen schreiben. Über all die kleinen Ge-schichten, die sich auf den Touren ergeben: Lustiges, Rührendes, manchmal auch Nachdenkliches. Da gäbe es so vieles zu erzählen, vom Schneeschuhausflug im Tiefschnee bis zu
den Begegnungen auf den Höfen. Und irgendwann, wenn ich alt und dattrig bin und etwas mehr Zeit habe, möchte ich noch ein Buch über meine Familie schreiben – über unser Leben hier oben am Schauinsland, im Haus „Silberdistel“. Eine kleine Familiengeschichte voller Erinnerungen, Humor
und Herz – das wäre mein Herzensprojekt zum Schluss, was mich mit Glück erfüllen würde.

Gibt es Lebensweisheiten, die dich begleiten?

Meine Oma sagte immer: „Maidle, merkt dirs gut: Probiere geht über Studiere.“ Und ihr zweiter Rat war genauso goldrichtig: „Alles in Maßen, dann machsch nichts verkehrt

Die Schnellen Fünf

1

Mein Lieblingswort oder
Spruch auf Alemannisch:
Willsch au ä Schnaigerle?
(Schnaigerle = Kleiner
Leckerbissen) und “kraible”
für klettern oder auch
kratzen

2

Mein Lieblingsort im
Dreisamtal, wenn ich
Ruhe brauche:
Ganz oben am Stohren,
auf einer Wiese am Waldrand
mit weitem Blick ins
Land

3

Mein Lieblingsort,
wenn ich mit Gruppen
unterwegs bin:
Ganz klar rund um den
Schauinsland mit seinen
Wetterbuchen, dem Aussichtsturm,
den herrlichen
Ausblicken

4

Mein Lieblingsessen:
Brägele mit Bibiliskäs
und Salat und generell
viel heimisches Gemüse

5

Mein Vorbild:
Definitiv alle Landwirte
hier oben und im Tal, da
sie mit so viel Herzblut
und größtem Einsatz
unsere schöne Kulturlandschaft
pflegen